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PRESSE / REVIEWS



hahn von opel2broschüre

Philosophisches Kabarett

Der helle, blendende Himmel schien auch Joscha Hendricksen wenig zu stören. Ungeachtet seiner Openerposition legte „Hahn von Opel“ los, bewaffnet mit Klavier, übersteigerter Mimik und schwer zu durchdringenden, oft widersprüchlich wirkenden Wortfetzen. Er riet zu einer gesunden Schizophrenie bei gleichzeitigem Erwachen aus dem menschlichen Todesschlaf, schlug vor, sich mit Projekten ohne Perspektive auseinanderzusetzen und bezeichnet das eigene Künstlerdasein als, gelinde gesagt, nicht unbedingt erstrebenswert. Sind dies nun Weisheiten und Ratschläge für ein besseres Leben, oder haben wir es hier mit einer fast schon ohnmächtig wirkenden, pessimistischen Sicht unserer Spezies zu tun? Wahrscheinlich beides. Gerade als sich die ersten Fragezeichen über den Köpfen der Zuschauer langsam in Ausrufungszeichen zu verwandeln drohten, brach Hendricksen mit der Ernsthaftigkeit und spielt das zutiefst sinnbefreite „Froschlied“ auf seinem Klavier. Denn „warum hochtrabend moralische Reden halten, wenn man auch Blödsinn reden kann?“
http://www.trailer-ruhr.de/von-wahnsinnigen-genies-und-blackmetal

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Das Behälter

„Das Behälter“ am 27. August 2014 im „Rekorder“ in der Dortmunder Nordstadt
Joscha Hendricksen als dadaistische Mischung aus Klaus Kinski und Ian Curtis zwischen vier großartigen Instrumentalisten, die ihre Virtuosität völlig beiläufig ausleben.
Achim Zepezauer liefert eine Neudefinition des Sample-Elektronikers. Nicht nur Klangflächen und programmatische Text- oder Musikeinspielungen in der Tradition Pierre Schaeffers und Christian Marclays sind sein Beitrag. Kämper, der vom Schlagzeug kommt, ist mit perkussiven Samples elementarer Bestandteil der Rhythmusgruppe wie ein Perkussionist einer Jazzband. Diese Samples kommen zum Teil direkt aus seinem alten Plattenspieler, den er u.a. mit Aufnahmen einer Opernsängerin bestückt.
Gabor Bodolay ist ein Bassgitarrist, dem man seine Liebe zu den Basics ansieht, sei es ein Country&Western-Wechselbass oder ein Siebziger-Discogroove. Mit seinem Counterpart Karl-F. Degenhardt, der listig am Drumset den Free-Jazz-Humor pflegt, führt Bodolay diese Grooves in die Absurdität.
Julius Gabriel kann mit seinem Baritonsaxophon Grooves antreiben, zirkular atmend mit dem Sopransaxophon langweiligste Achtziger-Keyboardlicks unendlich wiederholen oder mit dem Tenorsaxophon genau das tun, was man von einem Saxophonisten erwartet. Kurz gesagt: Er kann so ziemlich alles, was die Familie der Saxophone hergibt. Er kann aber etwas, was nur wenige Musiker können, und das trifft auf alle Bandmitglieder zu: Sie können einander zuhören und mit ihrer kompositorischen Kompetenz jedes Konzert spontan neu entwerfen.
Joscha Hendricksens unendlicher Fluss aus Sprache und Gestik findet in seiner stilistischen Vielseitigkeit zwischen Expressionismus, Hip-Hop und grandios belanglosem Befindlichkeitsgeschwätz keinen Vergleich.
„Das Behälter“ gibt dem improvisatorischen Umgang mit Text und Musik eine neue Dimension.

(Guido Schlösser)

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freiStil Magazin für Musik und Umgebung
DAS BEHÄLTER

the world is all that is the case (LP)

Eigenvertrieb / www.dasbehaelter.de

J X Ende (voc, glockenspiel), Julius Gabriel (sax), Achim Zepezauer (e), Gabor Bodolay (b), Karl-F. Degenhardt (dr)

Ich brauch ein Bücherregal, um dort zu schlafen. So lautet der letzte Satz, den J X Ende auf der Debüt-LP dieser Wahnsinns-Ruhrgebiet-Band aus sich herausdrückt. Auf den beiden dunkelvioletten Vinylseiten improvisiert und liest er Texte, mal gesprochen, selten gesungen, manchmal sogar fast gerappt, voller Sinn und Nonsens, die auch noch alle auf der Innenhülle abgedruckt sind. Geräusche und Scats, Gestöhntes und Gegrunztes sowie sein Glockenspiel machen das Spektakel komplett. Dazu kommt allerlei Buntes aus der Klangwelt der The Dorf-Musiker Achim Zepezauer an seinem Tischlein Elektrisch und Julius Gabriel am Tenor und Sopran. Die beiden verstehen es aufs vorzüglichste, den Rhythmusteppich, den Bass und Schlagzeug schaffen, mit kurzen Samples oder einem Freejazz-Solo auszuklopfen. Immer wieder zischt und brodelt es, alles greift ineinander und lässt sich, trotz der vielen Informationen, wunderbar entspannt hören. Es bleibt lebendig, auch weil Bodolay und Degenhardt, die den Groove haben und variabel halten, genau an den richtigen Stellen anziehen oder die Richtung ändern, stolpern oder ihn einfach gekonnt fließen lassen. Trockener Funk, Dub, Drum’n’Bass, Disco oder Jazz vermischen sich mit lässiger Selbstverständlichkeit. Toll! Toll! Toll! (sim)

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hautbildthe world is all that is the case
Frisch-anarchisches LP-Debut von Das Behaelter
Bochum, 24.02.2015

Ja was ist das denn? Ein Ludwig Wittgenstein-Zitat als LP-Titel? Und noch mehr Ungewöhnliches: Eine Band nimmt nach eigener Aussage eine „wundervolle Platte“ auf, Mischung und Mastering und Layout („Artwork“ von Ursula Meyer) sind fertig, man wartet per Crowdfunding auf genügend Unterstützung, um das bisher digitale Endprodukt auf „transparentes, violettes Vinyl“ zu pressen. Die Gruppe nennt sich Das Behaelter, dahinter stecken fünf Musiker aus dem Ruhrgebiet, die sich 2012 gefunden haben: Julius Gabriel an verschiedenen Saxophonen und Achim Zepezauer (electronics) – beide bekannt aus anderen Formationen wie Das Dorf – , Gabor Bodolay am E-Bass, Karl-F. Degenhardt an den Drums – man kennt sich von der Folkwang-Ausbildung – und J X Ende aka Joscha Hendricksen mit einer wilden stimmlich-textlichen Performance einer ebenso wild-anarchischen Dada-Dauer-Suada. Hier finden sich junge Musiker im Alter von 25 – 40 mit unterschiedlichen Wurzeln und Erfahrungen, dem Grundgedanken der Platte nach unverkennbar der freien Improvisation verpflichtet.

Auf zwei Tracks (Achtung: Vorder- und Rückseite der LP!) hört man allerlei Geräusche, Gesampeltes, Flächen und Effekte, intelligent montierte, meistens zusammenhängende Sequenzen, die vom Bass und Schlagzeug und damit von rhythmischen Grundstrukturen geprägt sind, die kunstvoll ziseliert Varianten bieten. Über diese Basis bläst Julius Gabriel aus der Saxophon-Familie vom Bariton bis zum Sopran seine wunderschön expressiven Phrasen – immer in engem Bezug zu den anderen Musikern und dem Sprecher. Der Folkwang-Absolvent erweist sich auch in dieser Konstellation – wie etwa schon bei Das Dorf oder in seinen Musik-Tanz-Performances mit Gunter Hampel und Danilo Cardoso – als äußerst versierter Saxophonist, der seinem freien Spiel einen überbordenden stilistischen und improvisatorischen Reichtum verschafft.

Achim Zepezauer greift tief in die elektronische Trickkiste und erzeugt – auch er – variationsreich eine Vielfalt von Sounds, die mal unterbrechenden, mal unterstreichenden und verstärkenden Charakter haben, die auf jeden Fall insgesamt zu einem dichten, teilweise verstörenden Klangspektrum beitragen. Nach kurzer Zeit setzt die Stimme von J X Ende ein. Mit seinen Worten erzeugt er eine monologische Rede in Ich-Form, der man alles andere als einen kohärenten Text unterstellen darf. Um davon einen Eindruck zu vermitteln, sei der Anfang zitiert: „Durch die Hexenverfolgung zerstörte …. eine ganze Welt von weiblichen Praktiken…kollektive Verhältnisse, Wissenssysteme… und aus dieser Niederlage ging ein neues Modell hervor…Passiv, fügsam, sparsam, wortkarg, stets beschäftigt, keusch….zwei Jahrhunderte lang Staatsterrorimus“. Wortneuschöpfungen („Sinnlosigkeitenzeit“), Sprachspiele („villen-lose Städte, willenlose Städte“), Wiederholungen, manchmal Ansätze von Reimen („Den Kampf gegen mich selbst habe ich längst gewonnen: Tot, abgefischt, hinweg geschwommen.“), zum Teil erratische Syntax verwirren den Rezipienten, der die Sinnsuche bei dem gehörten Text schnell aufgibt und sich ganz dem Wortschwall des Sprechers und seinem sympathischen Parlando-Ton überlässt. Ein wenig ist dabei eine gewisse Nähe zu intellektuellen Varianten des HipHop erkennbar, von verbreiteten Formen des Krawall-Raps setzt sich J X Ende wohltuend ab.

Der Rezensent muss zu seiner Schande gestehen, dass er nach den ersten Hörkontakten mit der Platte nur einen Bruchteil der vielen Zitate erkannt hat, die Macher geben z.B. als zitierte Quellen an: Ludwig Wittgenstein , John Bock , Tiqqun , Alfred Jarry , Jean Baudrillard , Pier Paolo Pasolini, Alejandro Jodorowski, Georges Bataille, Plato, Pier Paolo Pasolini, Antonin Artaud, Raoul Vaneigem. Die Versatzstücke aus diesen Zitaten werden in einer gekonnten improvisatorischen Collage zusammengefügt. Was Zitat, was Improvisation bis hin zum Party-Geschwätz ist, ist nicht eindeutig identifizierbar. Joscha Hendricksen gelingt mit der Textmontage und mit seiner Monolog-Performance mit stimmlichen Verfärbungen und technischen Verfremdungen ein herrlich verrücktes Ideen-Panoptikum, wer beim Hören entsprechende Splitter aufgreift, hat jede Menge Assoziationsfutter zu verdauen.

Gemeinsam mit der Musik, den Geräuschen, den zum Teil eingängigen, zum Teil tanzbaren Rhythmen ergibt sich eine hochinteressante Musik-Text-Melange, die in keine Genreschublade passt – und somit ein spannendes (innovatives?) Musikformat ergibt. Die hervorragend aufspielenden Musiker tragen sicherlich zu dem positiven Gesamteindruck bei, setzen sie ihre Instrumente höchst variantenreich, virtuos und punktgenau zur Wirkung der textlichen Phrasen ein. Das hat etwas wohltuend Frisch-Anarchisches, zumindest schert sich Das Behaelter nicht um musikalische und textliche Konventionen, geht mit Un-Sinn sinn-frei um, gibt so einen Behälter, den man als Hörer selber füllen kann. Das kann man dadaistisch nennen, vielleicht sollte man dies allerdings lieber lassen, weil man damit bereits wieder eine Schublade bediente. Die Bandmitglieder bezeichnen selbst ihre Musik als Agit-Disko-Jazz, unverkennbar sind Punk, Funk, Free Jazz, Noise, Rap als Einflüsse zu nennen. Die verschiedenen Quellen ergeben etwas Pfiffig-Neues. Den Fünfen sind mit ihrer Platte viel Erfolg, viele Unterstützungs-Clicks zu wünschen.

(nrwjazz.net, Heinrich Brinkmöller-Becker)

Katastrophia

kat pinkishSehen, hören, staunen.

Dicht, souverän und strukturiert performte die Band Katastrophia am Samstagabend im Kitev Leerstand im Oberhausener Hauptbahnhof.

Hervorragend abgemischt ergab sich aus dem Zusammenspiel destruktiver Versatzstücke mit zarten und zerbrechlichen Harmonien mehr als eine schon oft von der Band umgesetzte perfekte Klanginstallation.

Es entsteht der Eindruck, eine Bestandsaufnahme gegenwärtiger Entwicklungen zu hören, zu sehen und zu spüren – Chaos, Ungewissheit, aber auch ein Gespür für die zerbrechliche Schönheit, die Antrieb bleibt, sich einer lähmenden Perspektivlosigkeit zu entziehen.

Einzig bleibt die Frage, warum Josha Hendricksen als inspirativer Kopf der Band diese hervorragende Leistung durch unnötige Überhöhungen in der Vor- und Nachbetrachtung verwässert.

Die Message der Band wird durch ihre Musik vermittelt und bedarf keiner Interpretationshilfe durch den Maestro.

Unsere Empfehlung: hingehen und mit wachen Sinnen genießen.

Die Band und ihre Mitglieder: joscha hendricksen // keys drums, mr. maribel // bass, st kirchhoff // guitar,rosh zeeba // lyrics vocals

Infos: http://www.katastrophia.org/

http://www.zwei24.de/sehen-hren-staunen/

Roxxy Chaos 

aufstand foto



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